CD-Rezension / Review / Kritik

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all ship shape driter

All Ship Shape
„Dri#ter“
(Cold Kings/Broken Silence)
Wir befinden uns in einem verqualmten Kellerloch. Die Neonröhren spenden bloß schummriges Licht, aber trotzdem tragen alle Anwesenden Sonnenbrillen. Von irgendwoher dröhnen schemenhaft Gitarrenkaskaden, eine Stimme gurgelt aus der Tiefe empor. Okay, Ihr dürftet es gemerkt haben: Wir befinden uns doch nicht in einem verqualmten Kellerloch, sondern auf „Dri#ter“, dem zweiten (nein, nicht dri#ten, äh dritten) Album von All Ship Shape aus der Schweiz. So groß ist der Unterschied aber gar nicht, wenn man die Augen schließt und die gedrückten, von Shoegaze und Psychedelia informierten Songs des Quintetts auf sich wirken lässt. Alles beginnt mit einem der wahrscheinlich langsamsten Krautrock-Riffs aller Zeiten, von wo aus sich die Band in Zeitlupe nebulös durch ein Album tastet, das nur selten aufrührerische Anflüge zeigt und stattdessen auf die Kraft der Hypnose setzt – der Songtitel „Repetitive Death Of A Young Heart“ fasst den Charakter von „Dri#ter“ trefflich zusammen, bevor die Single „Chemosynthesis“ das Tempo zwischendurch merklich anzieht und eine säurehaltige Orgel addiert. Wären The Blue Angel Lounge nicht zuletzt zusehends in Richtung Gothic abgedriftet, säßen die Hagener glatt in einem Boot mit All Ship Shape – doch die Eidgenossen könnten sich dort genauso gut mit Geistesverwandten wie Crystal Stilts oder Singapore Sling vergnügen. Apropos Vergnügen: Für alle, die gern die Hand nicht vor Augen hören, ist „Dri#ter“ selbstverständlich ein ebensolches.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 11/2013.

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