CD-Rezension / Review / Kritik

Drucken
Agent Blå Agent Blå CD Cover

Agent Blå „Agent Blå“

(Through Love Records/Indigo)
Heute blau und morgen blau und übermorgen wieder? Gut möglich – die Mitglieder von Agent Blå aus Göteborg sind schließlich erst zwischen 17 und 20 Jahre alt, und da schlägt man gerne mal über die Stränge. Der Bandname bezieht sich allerdings nicht auf etwaige Angetütertheit, sondern auf ein Entlaubungsmittel, das im Vietnamkrieg Verwendung fand. Andererseits: Akustisch besaufen kann man sich am Debüt der fünf Schweden hervorragend. An den geschwind abzischenden Songs, den an verschärftem Post-Punk und hochfahrenden Shoegaze-Kaskaden geschulten Harmonien – und vor allem an Emilie Alatalos Stimme, die mit immer etwas beleidigtem Timbre genauso gut ihrer Landsmännin Emma Nylén alias Emmon oder Katie Sketch von The Organ gehören könnte. Stücke wie „(Don’t) Talk To Strangers“ oder „Frustrerad“ erzählen von den Nöten verunsicherter Teenager, die verzweifelt ihren Platz im Leben suchen, sich nach der großen Liebe sehnen und trotzdem am liebsten alleine sein wollen – und dazu passen eben am besten frenetisch zerplatzende Jangle-Gitarren und knorrige Bassläufe, die sich an Slowdive, Joy Division oder frühen The Cure orientieren. „Rote Learning“ hingegen will offenbar unbedingt mit Morrisseys „Why Don’t You Find Out For Yourself” verwechselt werden – wenig verhohlene Hofknickse, die man Agent Blå aber gerne verzeiht ob dieser zehn mitreißenden Hits. Nie war wieder 18 sein so leicht wie in diesen 35 Minuten. Und so schön.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 06/2017.
Powered by Spearhead Software Labs Joomla Facebook Like Button
Friday the 14th.
2017 Sonic Seducer Magazin

©