CD-Rezension / Review / Kritik

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Marilyn Manson Heaven Upside Down CD Cover

Marilyn Manson „Heaven Upside Down“

(Caroline/Universal)
Musikalisch ist Marilyn Manson wieder auf der Bahn! Sicherlich, der Schockeffekt der Neunziger hat sich abgenutzt, heute zittert allenfalls der amerikanische Bible Belt noch kräftig, wenn Manson ein neues Album ankündigt. Doch hinter der oberflächlichen Horrorshow hat sich gezeigt, dass Brian Warner mittlerweile eines kann: im Team mit den richtigen Leuten wieder knackige Songs schreiben. Wie zu Glanzzeiten. Twiggy war immer schon ein guter Partner, aber Tyler Bates, der bei „THE PALE EMPEROR“ co-produzierte, passt ebenfalls wie die Faust aufs Auge und hilft Manson auf „Heaven Upside Down“, den richtigen Mix aus Bewährtem und einigen frischen Ideen zu finden. Back to the roots ist der Opener „Revelation #12“: krachig-scheppernd und wild wie zu Zeiten von „Portrait Of An American Family“. Ein Weg, den Manson auch auf der Single „We Know Where You Fucking Live“ einschlägt, die aber für den großen Wurf markanter sein müsste. Ein dicker Hip-Hop-Beat dagegen trägt das lässig groovende „Tattooed In Reverse“, bevor sich der Song in einen electrolastigen Gospel verwandelt. Ein Highlight des Albums, in dem Mansons seine Trademark-Sounds mit neuen Ideen gekonnt vermischt. An glam-rockige Zeiten von „Holy Wood“ hingegen erinnert das eingängig-sägende „Kill4Me“, das zu den poppigeren Momenten des Albums zählt, während „Saturnalia“ wie ein rockiges Update von „Bela Lugosi’s Dead“ anmutet. Erstaunlich facettenreich wirkt „Heaven Upside Down“, das sich bewusst darum bemüht, weder das Erfolgsrezept noch den blueslastigen Vorgänger neu aufzukochen. Nach „THE PALE EMPEROR“ ist „Heaven Upside Down“ ein weiteres Album, das auf eine begleitende Horrorshow verzichten kann. Marilyn Manson ist längst erwachsen geworden.
Torsten Schäfer

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 10/2017.
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Tuesday the 12th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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